Archiv 2018


Kulturreise nach Schottland

3.-11.06.2018

 

Auf vielfachen Wunsch, insbesondere der Freunde der Englandreisen des Vereins, hat der Kulturverein in diesem Jahr eine kombinierte Schiffs-Bus-Reise nach Schottland als Auslandsreise veranstaltet. Unter der Leitung des erfahrenen „Englandkenners“, Manfred Nothnagel, führte die Fahrt von Amsterdam per Fähre der DFDS nach Newcastle in Schottland.

Nach einer Mittagspause am Strand in einem Vorort von Amsterdam wurde am späten Nachmittag auf der Fähre eingecheckt. Die Überfahrt in der Nacht über die Nordsee entlang der Ostküste von England erfolgte bei bester Witterung. Allein das reichhaltige Abendessen und das anschließende Unterhaltungsprogramm haben die Nacht auf der Fähre zu einem besonderen Erlebnis gemacht.

Nach pünktlicher Ankunft in Newcastle und einem reichhaltigen Frühstück ging unsere Reise weiter ins Innere von Schottland.

Erstes Ziel war gleich der bekannte schottische Grenzort Gretna Green. Hier haben seit 1754 - veranlasst durch lasche Heiratsgesetze Schottlands - Generationen entführter, durchgebrannter, schwangerer oder nur romantischer Bräute vor zwei Zeugen und dem trauberechtigten Schmied ihrem Auserwählten das Jawort gegeben. Diese Zeremonie wurde uns in sehr filmreifer Szene durch einen historisch gekleideten Schmied vorgeführt.

 

Die Fahrt ging weiter zu unserem Wohnort für den Aufenthalt in Schottland, nach Stirling. Die Zimmer waren in einem historischen Schulgebäude mit einer Sternwarte, das als Hotel „The Stirling Highland Hotel“ umgebaut wurde, gebucht. In der Freizeit bis zum Abendessen hatten die Reisenden Gelegenheit zu einer ersten Besichtigung der alten, historischen schottischen Königsstadt Stirling.

 

Der erste Ausflugstag führte zu den Fischerorten entlang der Nordseeküste, der „East Neuk“ Halbinsel Fife. Nach einem Gang durch den malerischen Ort Cullross ging die Fahrt weiter nach Dunfermline. Durch den gepflegten Pittencrieff-Park von Dunfermline, den der Stahlbaron und Millionär Andrew Carnegie mit den in den USA verdienten Geldern - mitsamt einem großen Denkmal von ihm - in seiner Heimatstadt anlegen ließ, wurden die Ruinen des schottischen Königsplastes und die Dunfermline Abbey (zurückgehend auf eine Klostergründung von 1072) erreicht. Die im romanischen und gotischen Stil erbaute Abtei ist das berühmteste Gebäude der Stadt. Bullige Rundpfeiler trennen den Zugang zum neugotischen Chor. Unter einer Marmorplatte mit Messingbeschlägen liegt hier König Robert the Bruce. Sein 1818 wieder entdecktes Grab trug wesentlich zum wiedererweckten Nationalstolz der Schotten bei. Entlang der Küste ging die Fahrt weiter zum lieblichen Fischerdorf Anstruther (auf der Halbinsel Fife). Hier wurde die Mittagspause zum Besuch der mit nationalen Preisen für „Fish und Ships“ ausgezeichneten „Anstruther Fish Bar“ genutzt. (Fish und Ships sind hier tatsächlich vorzüglich). Anschließend wurde die Fahrt zur bekannten Studentenmetropole St. Andrews fortgesetzt. Von einem Golfplatz aus, der wahrscheinlich der älteste Schottlands ist – er erhielt bereits 1552 eine Lizenz – ging der Gang durch die Stadt entlang viktorianischer Reihenvillen zum Salvator´s College. Hier studierten Prinz William und seine Frau Kate. Heute leben und lernen hier 7000 Studenten. Die Universität in St. Andrews ist die älteste in ganz Großbritannien. Unweit der Universität wurde der nur noch wenig erhaltene Kathedralbezirk aus dem 12. Jh. besichtigt. Für die Zerstörung sorgten militante John Knox-Anhänger in den Religionskriegen. Der Legende nach brachte der Mönch Regulus im 4. Jh. sterbliche Überreste des Heiligen Andreas von Griechenland hierher und gründete die Kathedrale als Dank für einen überlebten Schiffbruch. Der Besuch in St. Andrews war gleichzeitig der Abschluss des ersten Tages der Rundfahrten.

 

Am zweiten Tag stand bereits ein Besuch in Edinburgh, der Hauptstadt Schottlands, auf dem Programm. Hier schlug das politische Herz in den Unabhängigkeitskriegen des 13. und 14 Jahrhunderts. Im 18. Jh. - dem "goldenen" - wirkten hier u.a. David Hume und Adam Smith und machten die Metropole zu einem Kristallisationspunkt der Aufklärung. Heute ist Edinburgh eine der stärksten Ökonomien Europas mit IT-, Bio- und Medientechnologie, gleichzeitig aber auch eine viel beachtete "Festival-Stadt". Nach einem kurzen Halt vor dem Tor der Palastanlage des Holyroodhouses, der offiziellen Residenz von Elisabeth II., wenn sie sich in Schottland aufhält, ging die Stadtrundfahrt weiter bis zum Calton Hill. Nach Aufstieg über steinige Stufen lag der berühmte Blick sowohl auf die beeindruckende St. Gilles Cathedral (in der John Knox predigte), zum Kaufhaus Jenners (dem ältesten der Welt), dem Balmoral Hotel (mit der legendären Uhr, die immer 5 Minuten vorgeht) als auch den schottischen Parlamentsgebäuden und direkt auf dem Berg stehend zum Nelson Monument (der Form nach ein umgedrehtes Teleskop).

Im Anschluss wurde das Edinburgh-Castle erstiegen. Diese Burg wurde in ihrer Geschichte immer wieder umkämpft, niedergerissen und wieder aufgebaut. Entsprechend wenig wirklich altes Gemäuer war zu bewundern - mit Ausnahme der St. Margaret´s Chapel aus dem 12. Jh. - eigentlich nur ein winziger Steinraum. Dennoch gab es einiges zu bewundern: Die Kanone "Mons Meg", 6600 kg schwer, 550 Jahre alt. Daneben gibt es aber auch den Königspalast mit den schottischen Königsinsignien von 1540 zu bewundern. Dann ist da noch der "Krönungsstein" aus dem Mittelalter, der für die schottische Nation von zentraler Bedeutung ist. Ihm wurden schon zu Zeiten der Pikten und Skoten sakrale Kräfte nachgesagt. Unterhalb der Burg, auf dem Grassmarket, einer ehemaligen Hinrichtungsstätte und wo früher das Vieh weidete, geht heute "die Post ab". Studenten und Besucher amüsieren sich hier in etlichen Kneipen. Verurteilte nahmen vor ihrer Hinrichtung im Gasthaus – noch heute als Pub am Rand des Marktes zu besuchen - ihren „Last Drop“. Einige Mitglieder der Reisegruppe hatten Gelegenheit, sich auf den Spuren von Harry Potter zu bewegen. Auf einem Friedhof nahe der Schule, die Frau Rowling als „Vorbild“ verwendet hat, waren Grabsteine der Familie Potter zu sehen. Ergänzt wurde diese „Spur“ durch einen Besuch im „Harry-Potter-Museum“. Außerdem befand sich in diesem Stadtviertel eine medizinische Fakultät mit angegliedertem Krankenhaus. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, hier am „Objekt“ zu lernen. Viele Gräber wurden jedoch durch Gitter vor solchen Zugriffen geschützt. Auf der Rückfahrt wurde noch ein Abstecher am Fuß der riesenlangen Eisenbahnbrücke "Forth Bridge" über den Firth of Forth eingelegt. Die 1890 eingeweihte Brücke galt seinerzeit als technisches Wunderwerk. Für die am Bau beteiligten Arbeiter wurden eigens Wohnhäuser und Pubs eingerichtet, die noch heute genutzt werden und zu bewundern sind. Die parallel errichteten Brücken zu Entlastung der Forth Bridge waren im Hintergrund zu erkennen.

 

Der dritte Tag der Reise durch Schottland stand im Zeichen der besonderen Landschaften. Anfang machte eine Besichtigung der berühmten "Crarae Gardens". Herrlich die alten Bäume. Die Wege führten an Wasserfällen vorbei zwischen Eukalyptus, Azaleen und Rhododendren, so dass man sich ohne Mühe im Himalajagebiet wähnen konnte. Der folgende Besichtigungspunkt war Inveraray. Pittoresk reihen sich die Häuser von Inveraray am Ufer des Loch Fyne. Das Castle des Ortes ist Stammsitz der Herzöge von Argyll - ein Märchenschloss in Privatbesitz. Besonders interessant ist hier aber auch das Gefängnis-museum im alten Stadt-Gefängnis aus dem 19. Jh.. Das Geschworenengericht konnte auf "schuldig", "nicht schuldig" oder "Schuldbeweis nicht erbracht" urteilen. Letzteres ist einzigartig als Mehrheitsurteil der Geschworenen und wurde ggf. als Strafurteil verkündet. Eine Schiffstour auf dem Loch Lomond schloss sich an, an den Ufern vorbei an prächtigen, alten Villen. Ein sehenswerter Tag am Rand der schottischen Highlands ging mit einer Fahrt durch die einzigartigen Landschaften zurück nach Stirling.

 

Am vierten Tag ging es noch einmal in Richtung der Highlands. Ziel war das Blair Castle. Das Blair Castle gehört dem 11. Herzog von Atholl. Er besitzt sogar eine eigene, private Armee. Zweimal täglich blasen hier für den Hausherren die "Atholl Highlander" auf ihren Dudelsäcken. Traumhaft schön gestaltet ist nicht nur die riesige Empfangshalle. Sogar die Decken der Treppenaufgänge sind mit geschnitzten Holzmotiven verziert. Die repräsentativen Räume sind mit ausgesuchten Stuckaturen geschmückt. Weiter ging es nach Pitlochry. Dieser Ort ist geradezu eine wahre Idylle und eine Touristenfalle zugleich. Nicht weit davon entfernt stand ein Besuch der Whiskybrennerei Edradour an. Es ist die kleinste Destille Schottlands. Im Umkreis des lachsreichen Speys gibt es etwa 50 Destillerien. Aus gemälzter Gerste wird der leckere schottische Branntwein, der „Malt Whisky“ in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – je nach Lagerung – hergestellt. Bei einer Verkostung konnte sich die Reisegruppe von den unterschiedlichen Würzen überzeugen.

 

Am fünften Tag bestand Gelegenheit für eine Besichtigung der Stadt Stirling und der Burganlage, dem Stirling Castle. Stirling ist eine historische schottische Königsstadt. Hier wurden mit William Wallace an der Stirling Bridge 1297 - und 1314 unter Robert The Bruce bei Bannockburn - die Engländer entscheidend unter der Führung von König Edward II. von den Schotten geschlagen. Etliche historische Baudenkmäler sind Zeugen dieser Zeit, so das "Tolbooth" - ehemals ein mittelalterliches zentrales Verwaltungsgebäude mit Gefängnis - heute zu einem dynamischen Kunst-, Musik- und Begegnungszentrum umgestaltet. Dazu gehört auch das "Argyll´s Lodging", das schönste und besterhaltene Renaissancepalais Schottlands – das leider nur von außen angesehen werden kann. Beeindruckend war die düstere "Church of the Holy Rude" (Heilig-Kreuz-Kirche). Auf einer Metallplatte auf dem Kirchboden ist vermerkt, dass hier James VI. am 24.07.1567 in aller Eile zum König Schottlands gekrönt wurde - übrigens nur drei Tage nach der erzwungenen Abdankung seiner Mutter Maria Stuart. Es folgte die Besichtigung des imposanten Stirling Castle – als bedeutende mittelalterliche Burg errichtet und von James IV. und James V. im 16. Jh. zum Renaissanceschloss umgebaut. In diesem Schloss wurde Geschichte geschrieben. Hier fand die Krönung Maria Stuarts im September 1543 statt. Das schillernde Hofleben der damaligen Zeit spiegelt sich in vielen adligen Portraits in der Mode von Paris, Mailand und London an der Decke eines der größten Säle wider. Den Königinnensaal zieren wunderbar erhaltene Wandteppiche aus flämischer Manufaktur mit Einhornmotiven. (Das Einhorn wurde symbolisch mit dem Christentum verbunden, und ist das Wappentier Schottlands.) Zu Ehren der jährlichen Geburtstagsfeier von Königin Elisabeth II spielte an diesem Tag eine schottische Militärkapelle in traditioneller Tracht mit anschließenden Salutschüssen im Schlossgarten. Von geschichtlicher Bedeutung ist auch die Krönungskirche in Stirling. Durch seine besondere schlichte Bauweise – einer klassischen, nicht verkleideten Holzdecke - zeichnet sie sich doch durch die farbenfroh gestalteten Fenstermotive zur Darstellung der hier stattgefundenen schottischen Krönungsgeschichte aus. Am Schluss des Tages hatten die Reisenden Gelegenheit zum Besuch der Sternwarte des Hotels. Hier konnte noch die „alte“ Technik der Teleskope bewundert werden.

 

Auf der Rückfahrt zur Fähre in Newcastle wurde als letztes Reiseziel die Melrose Abbey besucht. Es muss wohl eine der reichsten und einflussreichsten Klöster des Mittelalters gewesen sein. Auch wenn sie heute nur noch aus riesengroßen Gemäuern ohne Dächer besteht, so macht die große Anlage auf den Besucher dennoch gewaltigen Eindruck. Man muss schon einen scharfen Blick in größere Höhen der Bögen und Gesimse der Ruinen riskieren, um ausgefallene Wasserspeierfiguren, wie z.B. ein Schwein, zu entdecken.

Nach einer ruhigen Überfahrt mit imposanter Beleuchtung entlang der englischen Nordseeküste und einiger Bohrinseln bei ausgezeichnetem Abendmenue und Frühstück endete die Schottlandreise im Hafen von Amsterdam und anschließender Busfahrt wieder in Peine und Ilsede.

 

Text: Sigurd Gumlich, Achim Holstein, Manfred Nothnagel

Fotos: Sigurd Gumlich, Achim Holstein

 


Kulturreise nach Hamburg

11.-14.09.2018

 

Die diesjährige Städtereise führte den Kulturverein Ilsede unter der Leitung von Achim Holstein in die Hansestadt Hamburg. Gleich der erste Programmpunkt war ein Highlight: Wir besichtigten das Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder, in dem hauptsächlich die erfolgreiche Familie des Airbus A 320 in vier Längenvarianten produziert wird. In einer professionellen und hochinteressanten Führung wurde uns der gesamte Produktionsprozess gezeigt, was viel Begeisterung bei den Teilnehmern auslöste.

Am nächsten Morgen ging’s dann zur Elbphilharmonie, sicherlich zur Zeit Hamburgs berühmtestes Gebäude. Ein Konzert konnten wir leider nicht besuchen, dafür konnten wir aber den Ausblick von der Plaza genießen, leider bei recht trübem Wetter. Danach gab’s dann eine Rundfahrt mit dem Hafencity Riverbus, einem Amphibienbus, der sowohl zu Lande als auch zu Wasser fahren kann. Es ging zunächst auf der Straße durch die Speicherstadt und Hafencity, weiter nach Rothenburgsort zur Halbinsel Entenwerder, wo der Bus dann wasserte und in die Billwerder Bucht einfuhr. Am Endpunkt, dem alten Holzhafen, wurde dann gewendet und es ging wieder zurück.

Am Nachmittag gab es eine Stadtrundfahrt im Bus mit einer Stadtführerin, wobei neben bekannten Zielen wie Alster, Reeperbahn und Michel auch weniger bekannte Stadtteile angefahren wurden. Endpunkt der Rundfahrt war der Rathausplatz.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder in die Speicherstadt, wo die größte Modelleisenbahn der Welt im Miniaturwunderland zu sehen ist. Viele berühmte Landschaften und Städte der Welt sind als Miniaturen dargestellt, natürlich immer mit Eisenbahnen, eine phantastische und auch sehr gut besuchte Ausstellung. Anschließend konnten wir uns ein wenig in der Speicherstadt umsehen.

Am Nachmittag besuchten wir das prächtige Rathaus mit seinen 647 Räumen im Rahmen einer Führung. Die Teilnehmer zeigten sich sehr beeindruckt von der prunkvollen Ausstattung der einzelnen Räume, die vom Wohlstand und Reichtum der Hansestadt zeugen.

Mit dem Besuch der Komödie „Kalenner Deerns“ im Ohnsorg-Theater, natürlich in Hamburger Platt, ließen wir diesen ereignisreichen Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen stand leider schon die Rückfahrt an, die aber noch mit ein paar Höhepunkten aufwarten konnte. Zunächst machte unser Busfahrer Peter, ein ausgesprochener Hamburg-Kenner, noch eine kleine Stadtrundfahrt mit uns. Es ging elbabwärts vorbei an den St. Pauli-Landungsbrücken bis zum Museumshafen Oevelgönne, um dann über die Elbbrücken und über die Köhlbrandbrücke mit einem letzten Blick über Hafen und Stadt bei prächtigem Wetter Hamburg zu verlassen.

Den restlichen Vormittag und die Mittagspause verbrachten wir auf dem Hof Oelkers in Wenzendorf, einem abwechslungsreichen Ausflugsziel in der Umgebung von Hamburg.

Zum Abschluss gab’s noch einen Höhepunkt, der alle Teilnehmer begeisterte: Wir fuhren mit der Moorbahn Burgsittensen ins Tister Bauernmoor, einem renaturierten Moor, das heute Naturschutzgebiet ist. Am Wendepunkt der Bahn hat der Moorbahnverein einen Aussichtsturm errichtet, von dem man einen herrlichen Blick über das Moor hat. Zum Ausklang gab’s noch ein Kaffeetrinken mit leckeren Torten im vereinseigenen Café, bevor es dann endgültig heimwärts ging. Es war wieder einmal eine sehr schöne und gut organisierte Kulturreise.

 

Text und Fotos: Burckhard Kuhlow