Archiv 2016


 

Kulturreise nach Brandenburg

Reise I vom 20.05.-25.05. & Reise II vom 27.07.-01.08.

 

 

Gleich zweimal mussten die Organisatoren Hans Jürgen und Annemarie Wittig diese Reise nach Brandenburg durchführen, so groß war das Interesse unter den Mitgliedern des Kulturvereins Ilsede. Und wie man das gewohnt ist bei Wittig-Reisen, es war auch dieses Mal wieder hochinteressant und spannend.

Von unserem Domizil in Cottbus starteten wir täglich neue Entdeckungsreisen. Schon auf der Hinfahrt besuchten wir Lübben mit seinem Schloss und der Paul-Gerhardt-Kirche. Cottbus, die zweitgrößte Stadt Brandenburgs, wurde zu Fuß und per Bus erkundet. Anschließend ging es mit der dampfbetriebenen Kleineisenbahn zum von Fürst Pückler angelegten Branitzer Park, einem Meisterwerk deutscher Gartenbaukunst, mit seinem schönen Schloss im Zentrum.

Ein Höhepunkt der Reise war die Fahrt in den Spreewald mit seinen unzähligen Fließen und Kanälen, die auf einer Kahnfahrt erkundet wurden. Wiesen, Wälder und hübsche Spreewaldhäuschen säumen den Weg.

Aber das war natürlich längst noch nicht alles. Stift Neuzelle, die DDR-Retortenstadt Eisenhüttenstadt sowie die alte Festungs- und Fischerstadt Peitz waren weitere interessante Ziele. Ein kleiner Abstecher nach Sachsen brachte uns zum Kromlauer Park mit seinen wunderschönen Rhododendren sowie zum Findlingspark Nochten, einer Hinterlassenschaft des Braunkohletagebaus.

Auf der Heimreise wurde noch die Partnerstadt von Ilsede, Luckau, mit seinem vollständig erhaltenen historischen Stadtkern besucht, ein denkwürdiger Abschluss dieser hervorragend organisierten Reise.


 

Kulturreise nach Irland

14.-21.07.2016

 

 

Nach 13 England-Reisen zog es den Kulturverein Ilsede unter der Leitung von Manfred Nothnagel dieses Mal nach Irland. Ziele für die 36 Teilnehmer sollten der Südwesten der grünen Insel und der Raum um die Hauptstadt Dublin sein.

Per Flug ging es von Hannover über London-Heathrow nach Dublin, wo uns unsere deutschsprachige Reiseleitung in Empfang nehmen sollte. Wir staunten nicht schlecht, dass sich ein junger Student namens Paul als unser Reiseleiter vorstellte. Paul, ein gebürtiger Schwarzwälder, war noch im Kindesalter mit seinen Eltern nach Irland ausgewandert und wuchs dort auf. Mittlerweile – er ist jetzt 22 Jahre alt – besitzt er auch die irische Staatsbürgerschaft. Um es gleich vorweg zu sagen: Paul erwies sich als absoluter Volltreffer, einen besseren und fachkundigeren Reiseleiter kann man für Irland wohl kaum bekommen.

Ausgangspunkt für unsere Tagesfahrten im Südwesten war das wunderschön gelegene Lake Hotel in Killarney. Gleich am ersten Besichtigungstag gab es einige Höhepunkte: Wir besuchten die Holy Trinity Abbey in Adare, Bunratty Castle und Folk Park in der Nähe von Limerick und den wohl spektakulärsten Abschnitt von Irlands Steilküsten, die bis zu 200 m hohen Cliffs of Moher.

Der berühmte Ring of Kerry um die Halbinsel Iveragh, eine der schönsten Küstenstraßen Europas, fiel leider dem Nebel zum Opfer. Von den Aussichtspunkten hatten wir kaum eine Sicht auf die Küste. So konzentrierten wir uns auf die Städte Waterville und Sneem. Eine Pferdekutschfahrt im Killarney National Park sorgte noch für einen schönen Tagesabschluss.

Natürlich gab es auch schöne Gärten zu sehen wie den von Bantry House und vor allem Garinish Island mit ihrer subtropischen Flora. Auch Blarney Castle ist von einem ausgedehnten Garten umgeben, wird aber hauptsächlich wegen des Blarney Stones besucht, den man mit viel körperlichen Verrenkungen küssen soll, um rhetorische Fähigkeiten zu erlangen.

Weitere Höhepunkte waren die Städte Cork und Cobh, bevor es mit dem Bus wieder in Richtung Dublin ging. In den Wicklow Mountains besuchten wir noch die Klosterruinen von Glendalough und die fantastischen Gärten von Powerscourt.

Die lebhafte Hauptstadt Dublin wurde per Bus und zu Fuß erkundet. Höhepunkt war der Besuch des Trinity Colleges mit seinem berühmten Book of Kells aus dem 9. Jahrhundert und seiner prächtigen Biblothek. Und wie das typisch irische Guinness Bier hergestellt wird, wurde uns auf eindrucksvolle Art und Weise im Guinness-Storehouse vorgeführt, natürlich mit einem Pint zum Verkosten in der Bar auf dem Dach des Hauses mit toller Aussicht.

Der Besuch von Malahide Castle aus dem 14./15. Jahrhundert mit seiner schönen Gartenanlage bildete den Abschluss, bevor es wieder zum Flughafen ging. Die Teilnehmer waren sich einig, dass es eine von Manfred Nothnagel sehr gut organisierte Reise war und dankten ihm dafür.

 


 

Auf den Spuren von Martin Luther in Eisenach,

Eisleben und Wittenberg

vom 26. August bis 28. August

 

 

Drei volle Tage an Hauptwirkungsstätten Martin Luthers verbrachte eine 27 köpfige Gruppe des Kulturvereins Ilsede unter der Leitung seines Geschäftsführers Achim Holstein und des Lutherkenners Eckehard Fröhmelt. Für das ganze lange Wochenende, Freitag bis Sonntag, 26.-28. August, war Bilderbuchwetter mit strahlend blauem Himmel angesagt und von Petrus auch eingehalten worden. Zunächst ging es mit einem gut aufgelegten Busfahrer, Herrn Rank, nach Eisenach. Dort verbrachte Martin Luther die letzten drei Oberstufenschuljahre von 1498 bis 1501. Die Gruppe besuchte die Georgenkirche, in der Luther als Messdiener wirkte und als Chorknabe sang. Eisenach ist ein wunderbares mittelalterliches Städtchen, das an jeder Ecke viel an Lutherzeugnissen und schönen restaurierten Häusern zu bieten hat, aber ein Albtraum für Busfahrer darstellt! Nach einem leichten Mittagessen fuhr man mit dem Bus auf halbe Höhe, um die berühmte Wartburg zu besuchen. Hier verbrachte der Reformator zehn entscheidende Monate seines Lebens, von Mai 1521 bis Ende Februar 1522. Luthers Schutzherr, der mächtige Kurfürst Friedrich der Weise von Kursachsen, veranlasste, Luther am 4. Mai 1521 „vorsichtshalber zu überfallen“ und auf die Wartburg zu verschleppen. Dort lies er sich die kreisrunde Tonsur, das Kopfhaar, zuwachsen und einen struppigen Bart stehen und übersetzte als „Junker Jörg“das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche, 1522 als „Septembertestament“ in Wittenberg veröffentlicht. Zuvor, April 1521, hatte es Luther auf dem Reichstag von Worms, im Angesicht des spanischen und niederländischen Königs, und deutschen Kaisers, Karl V., gewagt zu widerstehen und sich geweigert, seine Lehren zu widerrufen, es sei denn, man könne ihm aus der heiligen Schrift das Gegenteil beweisen – wozu niemand in der Lage war . „Hier stehe ich, ich kann nicht anders…“

Der Besuch auf der Wartburg, der Gang durch den Palas, die Wohnburg des Landgrafen von Thüringen, wurde zu einem ganz eigenen Höhepunkt. Die Gruppe erfuhr viel neues und frischte Bekanntes auf: Auf der Wartburg lebte die heilige Elisabeth von Thüringen im 13. Jh., eine ungarische Prinzessin, die schon mit vier Jahren dem Landgrafen versprochen war – getraut wurden sie in der Eisenacher Georgenkirche, die Luther so liebte. Weil Luther nach dem Reichstag zu Worms 1521 von Kaiser Karl V. in die Reichsacht verurteilt wurde und damit für vogelfrei erklärt war, lebte er bis zum Lebensende im Februar 1546 in ständiger Lebensgefahr. Was ihn aber nicht hinderte, frisch, fromm und frei das Evangelium von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben und barmherziger Gnade Gottes in vielen Schriften zu bezeugen und in unzähligen Predigten landauf, landab zu verkündigen.

Abends ging es für zwei Übernachtungen nach Wittenberg. Von dort aus besuchte die Gruppe am Samstag die Stadt Eisleben in Sachsen-Anhalt. In Eisleben wurde Luther am 10. November 1483 geboren. In Eisleben, zu einer Streitschlichtung von den Mansfelder Grafen dringend gerufen, starb er für alle überraschend an Herzschwäche am 18. Februar 1546, nur 62 jährig. Mit seinen Kräften war er total am Ende. Über 4.000 Briefe hatte er an die verschiedensten Menschen geschrieben, viele, bis heute aktuelle, Schriften verfasst, tausende Predigten an vielen Orten gehalten, praktisch jeden dritten Tag, oftmals mehrere. Das alles unter hoch belastenden Kutschreisen. Eisleben ist auch heute noch eine verwinkelte Kleinstadt, mit vielen sozialen Problemen. Durch das Geburtshaus und das Sterbehaus Luthers und die schönen Kirchen hat sich ein lebenswichtiger Tourismus entwickelt.

Am Sonntag besichtigte die Ilseder/Peiner – Reisegruppe den Zentralort der Reformation: Wittenberg. In der Schlossstraße, im Herzen der Stadt, befinden sich alle wichtigen Schauplätze, besonders die Schlosskirche mit der Thesentür zu den 95 Ablassthesen und das Grab Luthers, die Stadtkirche St. Marien, Luthers Predigtkirche und als besonderer Höhepunkt das Lutherhaus, das ehemalige Kloster und Wohnhaus der Familie Luther. Alles nah beieinander. Durch einen leidenschaftlichen Stadtführer wurde der Reisegruppe der unbedingte Zusammenhang von Evangeliumsverkündigung und sozialer Verantwortung nahe gebracht. Glaube und Handeln gehören immer zusammen.

Zudem ist Wittenberg ein im Prinzip gemütliches Städtchen, in dem sich fein essen und trinken lässt, wie schon Martin Luther durch seine liebe Frau Katharina von Bora zu schätzen wusste. Er, der Mönch, und sie, die Nonne, begründeten im Juni 1525 das evangelische Pfarrhaus, über Jahrhunderte eine funktionierende deutsche Familientradition und Bildungseinrichtung. Am Nachmittag ging es über Zerbst an der Elbe zurück nach Peine und Ilsede. Man war menschlich zu einer harmonischen Gruppe unter idealen Wetterverhältnissen zusammengewachsen und kam erfüllt mit einem reichen Wissensschatz über Glaube und Leben nach Hause. „Als Lutherschüler“, so Fröhmelt, „waren wir losgefahren, als Luthergelehrte kamen wir nach Hause“.

Text: Eckehard Fröhmelt